Der Entwicklungszyklus ist ein Modell, mit dem Schulentwicklungsprozesse systematisch visualisiert, geplant und gesteuert werden können. Er ist leicht nachvollzieh- und umsetzbar und führt Schulentwicklungsprozesse zielorientiert zu einem Abschluss.

Kein Kreislauf – ein abgeschlossener Zyklus

Der Qualitätskreislauf (nach Deming) ist ein sehr bekanntes Modell und die (!) Referenz für Qualitätsentwicklung. Er findet sich auch in vielen Publikationen zum Schulmanagement. Er wird häufig so interpretiert, dass Schulentwicklungsprozesse nie abgeschlossen sind, sondern im Sinne des Kreislaufs wieder und wieder thematisiert werden. Das halte ich für eine fragwürdige Interpretation und auch darum habe ich ein Modell entwickelt, das zum einen idealtypisch Schulentwicklungsprozesse modelliert und zum anderen eine Visualisierung für den jeweils aktuellen Entwicklungsstand schafft. Der Entwicklungszyklus setzt einige Leitprinzipien des Leitungshandelns voraus, die an anderer Stelle erläutert werden. Er ist für den Einsatz in umfassenden Schulentwicklungsprozessen ebenso geeignet, wie für kleinere Prozesse von Fachkonferenzen oder Jahrgangsstufenteams.

Schulentwicklungsprozesse brauchen eine klare Steuerung

Ein solches Modell ist m.E. unbedingt notwendig, um die immer komplexeren Schulentwicklungsprozesse im Griff behalten zu können. Als Schulleitungsmitglieder brauchen wir Routinen, die Schulentwicklungsprozesse zielorientiert zum Abschluss führen und allen Beteiligten Sicherheit und Transparenz bieten. Das hat nichts mit „neoliberalen Methoden“ zu tun, es ist vielmehr eine elementare Basis für das Schulmanagement von selbstständigen / eigenverantwortlichen Systemen. Im Übrigen ist klares, zielorientiertes und transparentes Management ein Merkmal „Gesunder“ Schule.

Der Entwicklungszyklus mit einer Unterteilung in sechs Phasen.

Der Entwicklungszyklus besteht aus sechs klar voneinander getrennten Phasen. Es gibt einen klar definierten Beginn und ein klar definiertes Ende. Der Entwicklungszyklus ist bewusst nicht kreisförmig aufgebaut. Damit soll betont werden, dass jeder Prozess einen Abschluss benötigt – der auch entsprechend gewürdigt und gefeiert werden sollte. Die letzten Phase „Implementierung“ ist farblich hervorgehoben, weil sie inhaltlich und zeitlich vom eigentlichen Zyklus getrennt zu sehen ist.

Entwicklungszyklus und Referenzrahmen Schulqualität

Verbindungen zu den Kriterien des Referenzrahmens Schulqualität NRW (RRSQ)

Der Entwicklungszyklus steht natürlich in Übereinstimmung mit dem Referenzrahmen Schulqualität NRW (RRSQ). Ich habe für jede Phase die entsprechenden Kriterien des RRSQ in der Abbildung notiert – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Entwicklungszyklus und Partizipation

Beteiligung der schulischen Gruppen am Entwicklungszyklus

Der Entwicklungszyklus ist geprägt vom Gedanken der Partizipation. In der Abbildung habe ich beispielhaft visualisiert, in welchen Phasen welche schulischen Gruppen einbezogen werden können und sollen. Partizipation ist zudem konsequent gedacht. In vielen Phasen arbeiten z.B. die Teams selbstständig – ohne Einflussnahme der Schulleitung. Das erfordert Disziplin und ein kongruentes Selbstverständnis der gesamten Schulleitung.

1. Phase: Partizipation als Basis und Ausgangspunkt

Der Entwicklungszyklus ist in sechs klar voneinander getrennte Phasen unterteilt. Der Ausgangpunkt eines Entwicklungsprozesses wird in der Regel durch die schulischen Gruppen gemeinsam bestimmt. SuS, Eltern und Lehrkräfte bringen sich aktiv ein und setzen gemeinsam Themen bzw. allgemeine Ziele. Das könnte die Unterrichtsentwicklung betreffen (z.B. „Wir optimieren unsere Lernzeiten“) oder das Schulklima („Wir wünschen uns weniger Streit und Aggression auf dem Pausenhof“). Nicht alle Themen und Ziele können partizipativ ermittelt werden. Rechtliche Vorgaben können Entwicklungsprozesse bedingen (neue schulinterne Curricula nach G9-Rückkehr, Entwicklung eines Medienkonzepts usw).

2. Phase: SMARTe Ziele

SMARTe Ziele sind nicht leicht zu formulieren, gerade nicht in der Schule, wo es häufig keine Datenbasis gibt, um Ziele und Entwicklungen zu messen. SMARTe Ziele sind jedoch unabdingbar für die weitere Prozesssteuerung. Schulleitung und/oder Steuergruppe kommen hier in die Verantwortung. Sind Sie vorhanden, erfolgt eine eindeutige Auftragsvergabe in der Regel an ein Team. Die Auftragsvergabe sollte ritualisiert sein, so dass für alle Beteiligten eindeutig und klar ist, wer was bis wann mit wem erledigt und wo Zwischenstände einsehbar sind. An dieser Stelle wird der (Jahres-) Arbeitsplan als zentrales Steuerungsinstrument eingesetzt. In einer perfekten Welt setzen sich die Teams selbst SMARTe Ziele, die im Einklang mit den mittel- und langfristigen Schulentwicklungszielen stehen.

3. Phase: Erproben und Reflektieren

Erprobt wird gemeinsam nach vorher festgelegten Kriterien und Abläufen im Team. Zwischendurch wird immer wieder reflektiert, überlegt, verändert, optimiert. Diese Phase kann ganz unterschiedlich lang sein. Wenn z. B. ein neues Lernzeitenkonzept erprobt wird, dann braucht es Wochen und Monate, bis sich die SuS daran gewöhnt haben. Erst dann werden Veränderungen und Entwicklungen sichtbar und einschätzbar werden. In dieser Phase kommen Fortbildungen zum Einsatz, sehr hilfreich sind auch kollegiale Hospitationen oder Settings mit Teamteaching. Regelmäßige Teamtreffen mit entsprechenden TOPs dienen der gemeinsamen Reflexion.

4. Phase: SMARTe Zielüberprüfung

Nach dem Erproben kommt die „Stunde der Wahrheit“: Es wird überprüft, ob die SMART formulierten Ziele erreicht wurden. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten. Die einfachste: Alle SMARTen Ziele erwiesen sich als praktikabel und wurden erreicht. Dann kann mit der Evaluation fortgefahren werden. Weitere Option: Die Ziele waren sinnvoll, wurden aber nicht erreicht. Dann muss nachgesteuert werden, ggf. muss Know-how durch externe Expertise eingekauft werden. Die 3. Phase könnte neu aufgenommen werden. Nächste Option: Die formulierten SMARTen Ziele erwiesen sich als ungeeignet. Dann müssen sie ggf. überarbeitet und neu formuliert werden, um zur Überprüfung genutzt werden zu können. Damit nicht im Nachhinein alles passend gemacht wird, ist in dieser Phase eine hohe Transparenz, z.B. durch eine zentrale Rolle der Steuergruppe, notwendig.

5. Phase: Evaluation

Es sollte eine klare Abgrenzung geben zwischen der Überprüfung der SMARTen Zielstellung und einer Evaluation des Schulentwicklungsprozesses. An der Evaluation sind idealerweise alle schulischen Gruppen wieder beteiligt – sie waren das ja auch Ausgangspunkt des Prozesses! Standardisierte Instrumente wie SIBA (bereitgestellt durch das QUA-LiS NRW) helfen, mit wenig Aufwand bestimmte Bereiche der Schule qualitativ hochwertig zu evaluieren. Die Ergebnisse werden allen Beteiligten zur Verfügung gestellt und intensiv diskutiert. Auch die Gestaltung des Schulentwicklungsprozesses selbst sollte in der Evaluation in den Blick genommen werden. Wichtig: Die Evaluation bildet den vorläufigen Abschluss des Entwicklungszyklus, der angemessen gewürdigt und gefeiert werden sollte. Sektflaschen raus (ggf. alkoholfrei) und allen danken, die erfolgreich mitgearbeitet haben. Ggf. muss auch mal ein Prozess angemessen gewürdigt und begraben werden.

6. Phase: Implementierung

Nach der Evaluation gilt es, ebenso transparente Konsequenzen und Maßnahmen daraus abzuleiten. Idealerweise wird das erprobte Konzept verschriftlicht und durch die Schulkonferenz beschlossen. Sei der Prozess bis hierhin noch so gut gelaufen – die schulinterne Implementierung ist der Schlüssel dafür, dass er sich im Alltag auch tatsächlich etabliert. H.G. Rolff meint dazu:

Die Implementation dominiert das Ergebnis.

Es ist in (fast jeder) Schule eine große Herausforderung, Prozesse nachhaltig in den Schulalltag zu implementieren. Starke Teamstrukturen, die eine kritisch-konstruktive Diskussionskultur und gegenseitige Unterrichtseinsichtnahmen ermöglichen sowie regelmäßige Evaluationen halte ich für wesentliche Merkmale einer „Implementierungskultur“. Das kann Schulleitung begünstigen, indem sie die Selbstwirksamkeit der Lehrkräfte stärkt und starke partizipative Strukturen aufbaut. Die Implementierung ist farbig hervorgehoben, weil sie hoch komplex ist und lösgelöst vom eigentlichen Entwicklungszyklus betrachtet werden muss.

Fazit

Jeder Schulentwicklungsprozess braucht eine eindeutige, zielorientierte Steuerung. Der Schulentwicklungszyklus schafft klar voneinander getrennte Phasen und macht Prozesse handhabbar. Er ist relativ leicht nachvollzieh- und umsetzbar. Die Steuerung der Schulentwicklungsprozesse sollte m.E. in der Hand einer Steuergruppe (Schulentwicklungsgruppe) liegen. Den aktuellen Prozessstand immer Auge zu behalten, Gruppen zu synchronisieren, an Termine und Fristen zu erinnern, zu kommunizieren, Problemchen aus der Welt zu schaffen usw. ist viel Arbeit und für Schulleitung alleine oft kaum zu bewältigen. Natürlich muss die Steuergruppe hierzu entsprechend geschult und beraten werden – und die Schulleitung die notwendige Offenheit mitbringen.

Feedback

Von der Idee zur Umsetzung: Der Entwicklungszyklus