Es gibt einen Satz, der mich sehr schnell „triggert“: „Was sind das denn für neoliberale Methoden?“. Ja, wir brauchen dringend klassische Management-Methoden in der Schule. Nein, es ist kein Neoliberalismus und hat auch wenig damit zu tun.

Alle Schulen haben große Freiheiten

Schule hat sich mit einer enormen Dynamik verändert. Alle Schulen in NRW sind selbstständige Schulen, d.h. sie verfügen über enorme Freiheiten in der Ausgestaltung des Schulalltags. Das hat seinen Ursprung in den schlechten PISA-Ergebnissen von 2001. Es erfolgte ein rigider Wechsel von der „Input-“ hin zur „Output-“ oder „Outcome-“ Steuerung. Schulen bekamen deutlicher weniger inhaltliche Vorgaben und einen erheblichen Gestaltungsspielraum. Der §3 des Schulgesetzes NRW spiegelt das wider:

§3 Schulgesetz NRW

„Die Schule gestaltet … in eigener Verantwortung.“ Wow! Jede Schule muss (!) eigene Ziele, Schwerpunkte und Organisationsformen festlegen. Das ermöglicht einen nie dagewesenen Spielraum für unterrichtliches und erzieherisches Handeln und gleichzeitig stellt es immense Anforderungen an das Schulmanagement. Als Schule legen wir selbst Ziele fest, wir bestimmen selbst, welche unterrichtlichen Schwerpunkte (wie z. B. Projektunterricht) wir setzen wollen. Wir sind aber auch zur regelmäßigen Überprüfung der Qualität unserer Arbeit verpflichtet – Qualitätsmanagement ist also Pflichtprogramm.

Das mittlere Management

Nach kurzem Nachdenken sollte klar sein, dass die Schulleitung alleine solche Maßnahmen schon aus rein zeitlichen Gründen nicht stemmen kann. So kam Mitte der 2000er-Jahre der Begriff „Mittleres Management“ auf. Damit ist gemeint, dass eine Ebene unterhalb der Schulleitung mit Managementaufgaben betraut wird. Das können Inhaber der Beförderungs-/Funktionsstellen sein, Fachkonferenzvorsitzende, Jahrgangsstufenteamleiter, Steuergruppenmitglieder usw. Hier liegt auch das größte Reservoir für Nachwuchsführungskräfte. Die Schwierigkeit: Es gibt kaum adäquate Fortbildungen für das mittlere Management. Sie werden teils mit Managementaufgaben bedacht, verfügen aber nicht über die entsprechende Ausbildung.

Die „schlafenden Riesen“ (Fachkonferenzen) werden in der Literatur so beschrieben, seitdem ich in der Schule aktiv sind. Sie schlafen aber auch deshalb, weil die Fachkonferenzvorsitzenden in der Regel zwar über fachdidaktische Kompetenz, nicht aber über eine Management-Ausbildung verfügen. Genau das braucht es aber. Fachkonferenzen legen selbstständig Grundsätze der Unterrichtsgestaltung fest, sie entscheiden über Grundsätze der Leistungsbewertung und lenken unterrichtliche Innovationen maßgeblich. Da braucht es zum einen das Wissen über rechtliche Grundlagen und zum anderen insbesondere das Wissen über Schulmanagement: Qualitätsmanagement allgemein, partizipative Zielfindung, Jahresarbeitsplanung, SMARTe Zielsetzungen usw.

Das steuernde Schulprogramm

Interessant ist ein Blick auf das Qualitätsmangement des Landes. Das Schulministerium setzt für Schulen auf das Instrument der Qualitätsanalyse – eine Maßnahme der externen Evaluation. Die Kindergärten unseres Landes fahren ein anderes Konzept, sie nutzen Qualitätshandbücher. Das „Steuernde Schulprogramm“ geht ein Stück in diese Richtung. Der Referenzrahmen Schulqualität NRW (Kriterium 4.7.1) legt fest:

Das Schulprogramm wird als „wesentliches Steuerungsinstrument“ also zu einer Art Qualitätshandbuch für Schulen. Eine spannende Entwicklung, gerade dann, wenn ich an die Anfänge der Schulprogrammarbeit in NRW denke.

Fazit

Hoffentlicht ist deutlich geworden, dass sich die Anforderungen an Schulen in den letzten 20 Jahren drastisch geändert haben. Vor dem PISA-Schock gab es die „Input-Orientierung“ mit relativ geringem schulischen Freiraum. Das hat sich grundlegend geändert, um den vielfältigen Freiheiten gerecht zu werden und ein qualitätsorientiertes Arbeiten zu gewährleisten, sind Maßnahmen des Schulmanagements auch die Grundlage für eine gesunde Schule. Teils sind die Managementmethoden aus der freien Wirtschaft übernommen, ja. Das hat damit zu tun, dass es dort bewährte Methoden gibt, die übernommen werden können. Die damit teils verbundene Logik der maximalen Profitorientierung kann und darf nicht in Schulen importiert werden.

Links:

Grundlegende Prinzipien für Schulleitungshandeln
Der „Entwicklungszyklus“ als wichtigste Instrument des Schulmanagements
Grundlagen der Leistungsbewertung für Fachkonferenzvorsitzende

Schulmanagement ist kein Neoliberalismus

Ein Gedanke zu „Schulmanagement ist kein Neoliberalismus

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