Das Erstellen schulinterner Lehrpläne kann viel Spaß machen und hoch effizient sein – wenn man der süßen Verlockung der Verlage widerstehen kann und eine tragfähige Gesprächs- und Diskussionskultur vorhanden ist.

In den meisten Fällen sind die schulinternen Lehrpläne eng an das jeweilige Lehrwerk angelehnt und mit viel Aufwand wird ein Dokument erstellt, das oft keinen so richtig zufrieden stellt. Manchmal ist es aber auch so, dass die Kolleginnen und Kollegen (KuK) ausgesprochen gerne an den schulinternen Lehrplänen arbeiten und die Arbeit absolut lohnend finden. Ähnliches gilt für die Arbeit am Methoden- und Mediencurriculum. Warum?

Perspektive wechseln

Schulinterne Lehrpläne sollen ein Steuerungsinstrument für (guten) Unterricht sein. Der Gedanke, dass ein guter schulinterner Lehrplan guten Unterricht fördert greift jedoch zu kurz. Auch der tollste und beste – von einem externen Dienstleister eingekaufte – schulinterne Lehrplan kann möglicherweise gar keine Wirkung entfalten. In erster Linie steuert nicht der schulinterne Lehrplan den Unterricht, sondern eine Fachkonferenz sollte steuern, was an wesentlichen Inhalten in einen schulinternen Lehrplan gehört.

Der schulinterne Lehrplan ist eine Sammlung aller wichtigen Gedanken und Absprachen einer Fachkonferenz. Er beschreibt, was guten Unterricht ausmacht und wie er gleichsinnig umgesetzt werden kann. Schlussfolgerung: Erst guter Unterricht, dann guter schulinterner Lehrplan. Nicht andersherum!

Genau dann steuert der schulinterne Lehrplan m.E. am besten: Wenn es einen intensiven Diskussionsprozess gab, die Gedanken strukturiert gesammelt und auf Grundsätze der Unterrichtsgestaltung reduziert wurden. Wer einen guten schulinternen Lehrplan haben möchte, sollte nicht nach passenden Vorlagen suchen, sondern nach Fragen, die den fachkonferenzinternen (und den -übergreifenden) Austausch in Schwung bringen. Ganz ehrlich: Es macht richtig Spaß, mal intensiv über Unterricht und Lernen zu diskutieren, Perspektiven auszutauschen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu sichten und um Ansichten zu „ringen“. Natürlich setzt das eine Gesprächs- und Diskussionskultur voraus (Killer-Phrasen beenden jeden Prozess zuverlässig), deshalb ist ggf. eine externe Moderation hilfreich und wichtig.

Der Kardinalfehler

Schulinterne Lehrpläne sollen mir ein Gefühl der Sicherheit (!) und Entspanntheit (!) geben. Das geht m. E. vor allen Dingen dann, wenn man bei der Erstellung die Verlagsmaterialien weitgehend umschifft. Mir ist aufgefallen, dass in den meisten Fällen die „Stoffverteilungspläne“, die dem jeweiligen Lehrwerk beigelegt sind, deutlich mehr Inhalte enthalten, als in den Kernlehrplänen vorgesehen ist. Ich vermute, dass oft etwa 25 – 30 % mehr Inhalte aufgeführt sind, als gemacht werden müssten. Das verursacht völlig unnötigen Stress.
Meine Meinung: Für die Lerninhalte eines Schuljahr sollte mit 36 Schulwochen geplant werden. 40 Schulwochen gibt es ohnehin nicht in jedem Schuljahr und abzüglich Krankheiten, Schulfahrten und Feiertagen sind es selbst dann kaum mehr als 36 Schulwochen. Das klappt nach meiner Erfahrung aber nur dann, wenn man sich bei der Planung eng am Kernlehrplan orientiert – die Verlagsmaterialien sind in der Regel viel zu umfangreich.

Was in einen schulinternen Lehrplan hingehört

Im Folgenden finden sich einige Fragen, die ich nach den möglichen Kapiteln eines schulinternen Lehrplans sortiert habe. Also: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber mit dem Verweis auf die Vorlagen aus dem Lehrplannavigator:

  1. Rahmenbedingungen: Welche Rahmenbedingungen bietet uns unsere Schule und was können wir (unsere Fachkonferenz) daraus machen? Betrifft Räume, Ausstattung, Gebäude, Unterrichtszeiten, Unterrichtsvolumen, Lernzeiten/Hausaufgaben, Stellenbesetzung, außerunterrichtliche Angebote usw.
  2. Schulische Grundsätze der Unterrichtsgestaltung: Wozu haben wir uns als Schule verpflichtet und was heißt das für uns als Fachkonferenz? Haben wir Leitsätze zur Unterrichtsgestaltung? Haben wir ein Methodenkonzept? Haben wir uns reformpädagogische Ansätze auf die Fahnen geschrieben? …
  3. Fachspezifische Grundsätze der Unterrichtsgestaltung: Was ist für unsere FK wichtig und worauf können wir uns einigen? Was sind unsere Leitsätze zur Unterrichtsgestaltung? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse für unsere Fachdidaktik können wir wie einfließen lassen?
  4. Grundsätze der Leistungsbewertung: Wie erfassen wir Leistungen? Wie erfassen wir die Vielfalt der Kompetenzen? Wie melden wir sie potenzialorientiert zurück? (Noch detaillierter würde ich das im Leistungsbewertungskonzept erläutern.)
  5. Übersichtsraster: Welche Kompetenzen fördern wir wann mit welchen Inhalten? Was ist dabei obligatorisch und wo verbleiben mir Freiheiten? Wie ist der spiralcurriculare Aufbau der Kompetenzen / Kompetenzbereiche? Welche Methoden sind wann verpflichtend einzuführen?

Rolle der Schulleitung

Die Schulleitung trägt die Gesamtverantwortung für alle Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozesse. Je nach Sichtweise können sich die Rolle und die Aufgabe bei der Entwicklung/Überarbeitung von schulinternen Lehrplänen jedoch deutlich unterscheiden. Wenn man meiner Auffassung folgt, wird der Unterricht weniger durch schulinterne Lehrpläne gesteuert, sondern vielmehr durch den davor/dabei stattfindenden Diskurs über guten Unterricht und daraus resultierende Grundsätze der Unterrichtsgestaltung. Somit sollte der Fokus bei der Planung m.E. nicht auf dem Schreiben der schulinternen Lehrpläne, sondern auf der Herstellung eines geeigneten Diskussionsprozesses liegen. Das Ergebnis des Diskussionsprozesses wird dann in strukturierter Form in den schulinternen Lehrplänen festgehalten.

Fazit & Feedback

Wenn man die Sichtweise auf schulinterne Lehrpläne umdreht, ergeben sich neue Perspektiven und der Nutzen von schulinternen Lehrplänen kann groß sein. Das Ergebnis des oben skizzierten Prozesses sollte ein schulinterner Lehrplan sein, der geprägt ist von Vernetzungen. Es ergeben sich mindestens Vernetzungen, die von den schulischen Rahmenbedingungen ausgehen und über die schulischen Grundsätze der Unterrichtsgestaltung in die fachspezifische Grundsätze und in die Übersichtsraster hineinreichen. Deutlich wird, dass schulische Grundsätze bei der Unterrichtsgestaltung eine zentrale Rolle spielen. Gibt es sie nicht, können alle Fachkonferenzen völlig unterschiedliche Vernetzungen aufbauen, die im schlimmsten Fall zuwider laufen oder aber zumindest nicht aufeinander abgestimmt sind und somit keine Synergieeffekte produzieren können.

Schulinterne Lehrpläne