Partizipation ist eines der wichtigsten und wirksamsten Elemente des Leitungshandelns. Die Vermeidung von „Killer-Phrasen“ hilft dabei, im Alltag Partizipation zu leben.

Kennengelernt habe ich die Killer-Phrasen auf einer Steuergruppenfortbildung vor etwa 15 Jahren. Damals wurde mir bewusst, wie oft sie uns im (Schul-) Alltag begegnen und welche hohe Wirksamkeit sie haben. Sind sie erst einmal formuliert, kann man die Diskussion eigentlich schon vergessen. Selbst eine gute Moderation kann sie kaum wieder einfangen. Also sollte eine präventive Strategie gefahren werden, die hilft, dass Killer-Phrasen mindestens für eine Zeit gänzlich ausgeschlossen werden können.

Umsetzung

In Konferenzen (Gesamtkonferenz, Fachkonferenz, Fachschaft, Steuergruppe, Jahrgangsstufenkonferenz usw.) wird eine kreative Phase eingerichtet, in der eine Idee vorgestellt werden kann. Nun greift die „Fragen-statt-Killer-Phrasen“-Regel. Es wird ein Beobachter / eine Beobachterin installiert, der / die sorgsam darauf achtet, dass alle Anderen konstruktive (!) Fragen einbringen, um die Idee besser kennenzulernen. Das setzt natürlich voraus, dass der Ideengeber seine Idee auch durchdacht hat.

Oft kommt es dann sehr schnell zu einem wirklichen tiefen Austausch und hinter so mancher Idee, von der man anfangs dachte „Wie kann man nur?“ steckt ein Ansatz, der tatsächlich Potenzial hat. Im Hinterkopf haben sollte man immer auch, dass nicht allen Menschen die Gabe gegeben ist, eine Idee von Anfang klar und eindeutig zu transportieren. Die Nachfragen unterstützen einen Klärungsprozess nachhaltig. Das Ganze kostet wenig Zeit und ist sehr wertschätzend. Die Methode trägt auch dazu bei, die eher „leisen Stimmen“ einzufangen, die sonst häufig ungehört bleiben.

Welche Fragen?

Wir befinden uns nicht in einer Verhör- oder Rechtfertigungssituation, dementsprechend sollten die Fragen m.E. von Wertschätzung gekennzeichnet sein. Die in der Abbildung notierten Fragen halte ich für wertschätzend und sehr geeignet, die Aufzählung hat aber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Im Zweifel würde ich auf kritische Fragen verzichten wollen, weil das möglicherweise das Setting zerstört. Gleichwohl ist es auch nicht wertschätzend, wenn die vorgestellte Idee nur „beweihräuchert“ wird. Das stellt niemanden zufrieden.

Mehr als eine Methode

Ja, es ist zunächst eine Methode. Dahinter steckt aber eine partizipative Grundhaltung. Die „Fragen-statt-Killer-Phrasen“-Regel sollten wir m. E. unbedingt immer wieder in unseren Alltag integrieren. Es ist wirklich verblüffend, wie anders Gespräche verlaufen, wenn man sie konsequent beachtet. Das zu beschreiben ist schwierig, das sollte man tatsächlich ausprobieren, beim nächsten Gespräch mit der eher ungeliebten Kollegen / dem ungeliebten Kollegen oder mal bei einer politischen Diskussion im Freundes- und Bekanntenkreis.

Wie es weitergehen kann

Im besten Fall hat sich nun eine Idee als bedenkenswert herauskristallisiert. Eine Möglichkeit, die Idee weiterzudenken, ist die „Walt-Disney-Methode“. Hier werden systematisch verschiedene Perspektiven eingenommen und durchlaufen, die dazu beitragen, eine Idee tief zu durchdringen. Ich stelle sie an anderer Stelle vor.

Killer-Phrasen – eine Auswahl

Folgende „schöne“ Killer-Phrasen ergaben sich aus dem entsprechenden Tweet (Danke!):
Tobias Raue: Das Neue daran ist nicht gut und das Gute daran ist nicht neu.
„Basteltante“: Also bei unserer Schülerschaft geht das nicht.
Wanda Klee: Bald kann keiner mehr richtig lesen und schreiben.
Claudia Potthoff: Das ist ja nichts Neues.
Das Lesen tat mir wirklich weh und ich hatte einige sehr lebendige Erinnerungen. Ich sammle gerne weiter!

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Partizipativ leiten – Ideen fördern und entwickeln

3 Gedanken zu „Partizipativ leiten – Ideen fördern und entwickeln

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