Dieser Spruch fällt in vielen Lehrerzimmern nicht so selten, da bin ich mir sehr sicher. Stimmt das denn auch? Ich versuche eine einfache statistische Annäherung mit den Vera3-Daten für NRW im Fach Mathematik.

Jedes Jahr finden die Vergleichsarbeiten in der 3. Klasse der Grundschulen statt, nicht nur in NRW. Die Ergebnisse werden zentral ausgewertet und in einem Bericht zusammengefasst. Für das Fach Mathematik werden in jedem Jahr zwei unterschiedliche Themenbereiche ausgewählt, die durch einen Test erfasst werden. Das erschwert die Übersichtlichkeit etwas, denn die Themenbereiche wiederholen sich unregelmäßig.

Die Ergebnisse werden mithilfe des Kompetenzstufenmodells dargestellt. Die niedrigste Kompetenzstufe ist die Kompetenzstufe 1 (KS 1), die höchste Kompetenzstufe ist die Kompetenzstufe 5 (KS 5). Im Sinne einer negativen Entwicklung („Die SuS werden immer schlechter“) müssten der Anteil der SuS in den Kompetenzstufen KS 1 und KS 2 wachsen, der Anteil der SuS in den Kompetenzstufen KS 4 und KS 5 sinken.

Wenn die Leistungen der SuS besser werden, sollte der Anteil der SuS in den KS 1 und KS 2 sinken, der Anteil der SuS in den KS 4 und KS 5 steigen. Ich lasse die KS 3 bewusst außer Acht, um es nicht zu kompliziert zu machen.

Beispiel 1: Zahlen und Operationen

Tests zum Themenbereich „Zahlen und Operationen“ fanden in den Jahren 2011, 2015 und 2016 statt. In der Grafik sind jeweils die Kompetenzstufen der einzelnen Jahre abgebildet. Es fällt auf, dass es kaum Veränderungen zwischen 2011 und 2016 gibt.

Fazit: Die Leistungen der SuS haben sich in diesem Bereich wenig verändert.

Beispiel 2: Größen und Messen

In diesem Bereich fallen mir zunächst die schwachen Ergebnisse im Jahr 2012 auf. Der Anteil der SuS in den KS 1 und KS 2 ist sehr hoch, der Anteil der SuS in der KS 5 sehr gering (6,7 %). Der Blick auf die Ergebnisse im Jahr 2017 zeigt schnell deutliche Verbesserungen auf: Der Anteil der SuS in den KS 1 und KS 2 ist gesunken, der Anteil der SuS in den KS 4 und KS 5 ist gestiegen.

Fazit: Die Leistungen der SuS haben sich in diesem Bereich verbessert.

Beispiel 3: Muster und Strukturen

In diesem Bereich reicht ein Blick: Die Leistungen der SuS sind deutlich besser geworden. 2011 gibt es einen starken Abfall bei den KS 4 und KS 5, 2017 gehen die Ergebnisse in Richtung einer Normalverteilung. Der Anteil der SuS in den KS 1 und KS 2 hat sich deutlich verringert, der Anteil der SuS in den KS 4 und KS 5 hat sich deutlich erhöht.

Fazit: Die Leistungen der SuS haben sich in diesem Bereich verbessert.

Beispiele 4 und 5: Raum und Form & Daten und Wahrscheinlichkeit

Auch diese Grafiken lassen sich recht schnell interpretieren: In diesen Bereichen haben die Leistungen der SuS nachgelassen. Der Anteil der SuS in den KS 1 und KS 2 ist gestiegen, der Anteil der SuS in den KS 4 und KS 5 ist gesunken.

Fazit: 2:2! Unentschieden!

Aus Schulleitungssicht halte ich es für sehr wichtig, das konkrete Handeln auch an Daten auszurichten. Der Mythos von den immer schlechter werdenden SuS lässt sich zumindest für das Fach Mathematik auf der Basis der Vera3-Daten so nicht aufrecht erhalten. Es gilt vielmehr, einen differenzierten Blick auf die Leistungen zu werfen und daraus Ableitungen für die Arbeit in der Sekundarstufe I zu treffen.

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Quelle:

Übersicht über die Ergebnisse von Vera3 in NRW: https://www.schulentwicklung.nrw.de/e/vera3/berichte/index.html

Die Schülerinnen und Schüler werden immer schlechter!